Ingo D.
(Student an der Alliance Business School in Bangalore von Juli bis September 2010)

„Nach kleineren Anlaufschwierigkeiten, haben wir interessante und lebhafte Vorlesungen erleben können. Akademisch war das Auslandssemester eine Reise wert. Besonders erwähnenswert ist die wirklich tolle Möglichkeit ein Alumni Treffen nach dem Aufenthalt zu besuchen, um seine Erfahrungen auszutauschen.“

„Indien war und ist eine Herausforderung für die meisten Besucher. Es bedarf einer Vorbereitung und einer gewissen charakterlichen Flexibilität. Denn sobald man sich im Strom treiben lässt führt Indien durch ein unvergessliches Abenteuer!
Eine große Inspiration für mich waren die Momente, die ich in bei einer Low-Income-Schule von Teach for India und in deren Communities verbringen durfte.“


Kristin F.
(Stipendiatin im Programm „Indien Land und Wirtschaft“ von 2010 bis 2011)

Ich hatte die Möglichkeit, von September 2010 bis Mai 2011 in Indien zu leben und zu arbeiten. Wie es mir dabei ergangen ist und welche Eindrücke ich aus dieser Zeit mitgenommen habe, könnt ihr hier nachlesen:

„Ich bin ein begeisterter Indienfan. Das war ich bereits vor meinem Aufenthalt dort im Rahmen des DAAD-Stipendiums „Indien Land und Wirtschaft“ und bin es jetzt noch mehr. Ich möchte noch viel mehr Zeit in diesem vor Gegensätzen berstenden Land verbringen. Insofern lässt sich eingangs schon dieses Resumée ziehen: Das Stipendium hat meine Begeisterung für Indien intensiviert und mein Verständnis für das Land und die Menschen, die dort leben, vertieft. Denn im Vergleich zu „einfachen“ Touristen erlebt man als Stipendiat, der seinen Alltag und seine Freizeit dort verbringt, viele Dinge anders, intensiver und realitätsnaher als in zwei Wochen Urlaub. Als Tourist bleibt man eben oftmals nur an der Oberfläche, kratzt ein bisschen daran im Gespräch mit Einheimischen, aber letztlich trifft man ja oft nur Einheimische, die sowieso schon Tourismuserfahrung haben und dementsprechend nicht ganz unverfälscht oder unvoreingenommen sind.

Als DAAD-Stipendiat darf man tiefer eindringen. Der zweimonatige Vorbereitungskurs an der Universität Pune war voll gestopft bis obenhin mit Kursen, Seminaren und Exkursionen zu den Themen Soziologie, Wirtschaft, Kultur, Politik, Natur und Umwelt und Recht. Auch Yoga- und Hindikurse, die regelmäßig stattfanden, wurden mit Begeisterung aufgenommen. Ich persönlich freute mich jeden Dienstag und Donnerstag auf den Satz „Enjoy the pain“, den unser Yogalehrer nicht müde wurde zu sagen. Hindi ist eine komplexe Sprache, doch genoss ich jede Stunde und setzte meinen Kurs bei unserer Lehrerin Rajashree auch noch nach den offiziellen zwei Monaten fort.

Besonders spannend am DAAD-Programm vor Ort fand ich unsere diversen Exkursionen und Besuche bei NGOs, politischen Parteien und Unternehmen. Man bekam Einblicke in Welten des indischen Lebens, wie man sie sonst nur als Fachmann oder Spezialist eines bestimmten Gebietes erhält. So besuchten wir zum Beispiel ein Gefängnis in Pune, den Gerichtshof und durften mit Parteiführern diskutieren. Wir wanderten zwei Stunden in ein angelegenes Dorf, in dem eine NGO Solarlampen eingeführt hatte und schliefen dort auf Decken im kargen Wohnzimmer einer Familie, die uns sehr herzlich aufnahm.

Aus praktischer Sicht lief für mich in Indien alles wie am Schnürchen. Anders als viele meiner Mit-Stipendiaten fand ich eine Wohnung dank der Adressenliste des DAAD. Viele von uns hatten vor Ort große Probleme eine Bleibe zu finden, da es in Indien aus Ausländer ohne Arbeitsvertrag schwer ist, einen Mietvertrag abzuschließen. Die Wohnung teilte ich mir mit zwei Mitstipendiatinnen. So bekamen wir zwar keinen Eindruck vom indischen Familienleben – wie so manch anderer in unserer Gruppe – doch waren wir unabhängig und konnten Punes Nachtleben auskosten.

Das DAAD-Programm der ersten zwei Monate ließ allerdings wenig Zeit für „Freizeit“, was nicht schlimm war, denn es machte riesigen Spaß, das Land so kennen zu lernen. Den Abschluß der zwei Monate bildete eine 5-tägige Fahrt nach Ajanta und Ellora, zwei Höhlenstädte, in denen es Höhlen aus buddhistischer, hinduistischer und jainistischer Tradition zu bestaunen gab. Dank eines sehr kompetenten Führers vor Ort, der unsere wissbegierige Gruppe perfekt informieren konnte, lernten wir viel über Indiens Geschichte, Tradition und Religion.

Als die zwei Monate Vorbereitungskurs vorbei waren, verteilte sich unsere gesamte Gruppe über das komplette Land, um die Praktika anzutreten. Ich blieb in Pune, wo ich zunächst beim „Pune International Filmfestival“ im Bereich Katalog arbeitete. Es war nicht immer leicht, mit den indischen Kollegen zusammen zu arbeiten, denn, wie ich sehr schnell erkannte, unterscheiden sich die deutsche und die indische Arbeitsweise deutlich voneinander. Wollte ich Informationen von meinen Kollegen, musste ich ihnen förmlich hinterher laufen, um sie auch tatsächlich zu erhalten. Manche Dinge erfuhr ich erst viel zu spät, was zur Folge hatte, dass wir am Ende sehr viel Stress hatten, den Katalog rechtzeitig zu drucken. Auch Arbeitszeiten waren ein Problem. So blieben meine indischen Kollegen teilweise bis spät nachts im Büro, während ich nach getaner Arbeit Feierabend machte. Sie jedoch konnten nicht vor ihrem Chef aus dem Büro gehen und warteten ständig auf neue Anweisungen von oben. Im Umkehrschluss hieß das aber auch, dass sie wenn der Chef nicht da war, einfach aufhörten zu arbeiten. Ich verstand mich aber sehr gut mit allen und das Festival wurde ein voller Erfolg. Bei der Eröffnungszeremonie durfte ich im indischen Sari die Ehrengäste begrüßen, was von allen Seiten mit Begeisterung aufgenommen wurde – eine Westlerin in der indischen Tracht, das sieht man nur selten!

Mein zweites Praktikum absolvierte ich bei einer in Pune und Mumbai ansässigen NGO, einer Hilfsorganisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, allen Kindern von Wanderarbeitern, die sonst keinen Zugang zu Bildung haben, diese Möglichkeit zu eröffnen. So werden jährlich dutzende kleine, improvisierte Schulen auf Langzeitbaustellen gebaut, in denen die Kinder tagsüber Unterricht in Mathematik und Marathi (der Regionalsprache Maharashtras) erhalten. Zusätzlich hat die „Doorstep School“ in Slumgebieten so genannte „Community Learning Centres“ eingerichtet, in denen die Kinder aus den Slums lesen und basteln können und Nachhilfe erhalten. In einem solchen Zentrum unterrichtete ich drei Monate lang ungefähr 15 Kinder verschiedener Altersklassen und das war ein guter Kontrast zur „High Society“, die ich während des Filmfestivals kennen gelernt hatte. Ich bekam in meiner Zeit in Indien also die zwei extremsten Facetten zu sehen, die man in Indien finden kann – die Glamourwelt Bollywoods und das Slumleben. Es war sehr interessant für mich zu sehen, wie begeisterungsfähig und dankbar die Kinder meinen Unterricht aufnahmen und wie warmherzig sie waren. Ich verglich sie in Gedanken immer wieder mit deutschen Kindern in deutschen Schulen und konnte keinen großen Unterschied feststellen. Kinder sind eben Kinder – überall auf der Welt! Neben meiner Tätigkeit als Lehrerin half ich im Büro der NGO bei Fundraisingaktivitäten und dem Produzieren eines Videoclips für die Webseite. Alle im Büro nahmen mich sehr liebevoll auf und waren froh über die Hilfe. Die meisten Mitarbeiter sind Frauen, was ich überraschend fand. Und sehr viele von ihnen tragen traditionelle Saris und stammen eher aus einfachen Verhältnissen.

Am Ende meines Aufenthalts in Indien bekam ich die unglaubliche Gelegenheit, eine Hauptrolle in einem Marathi-Film zu spielen, was ich natürlich dankend annahm. Es war eine tolle Erfahrung, 12 Tage lang vor der Kamera zu stehen und ein Filmset von Nahem und sogar von Innen zu sehen. Auch dort erlebte ich nur Positives. Meine Kollegen waren sehr nett und kümmerten sich rührend um mich, damit ich in der indischen Sommerhitze nicht zerfloss oder – und das war ihre beständige Sorge – zu braun und damit als „Weiße“ für den Film unbrauchbar werde.

Zum Abschluss bleibt noch zu sagen, dass mir dieses Stipendium eine unglaublich schöne, lehrreiche und bereichernde Zeit in einem faszinierenden Land beschehrt hat und ich es immer wieder und gern noch länger machen würde. Ich spiele jetzt auch mich dem Gedanken, dort zu arbeiten. Indien ist ein Land der Extreme und ich habe viele dieser Extreme gelebt und erlebt und sehe nun auch Deutschland mit anderen Augen. Denn vieles, was wir hier für wichtig halten, rückt in ein anderes Licht angesichts der teilweise erbärmlichen Lebensbedingungen der Menschen in Indien.

Danke DAAD für diese Wahnsinnsmöglichkeit!“


Steffi P.
(Stipendiatin im Programm „Indien Land und Wirtschaft“ von 2010 bis 2011)

Der zweimonatige Kurs „Understanding India“ an der Pune University stellte den Beginn unserer Zeit in Indien dar. Er umfasste ein großes Themenspektrum: Von Hindi über Landeskunde, von Yoga über Politik, von indischer Literatur über Wirtschaft bis hin zu Exkursionen bot uns das DAAD-Team eine bunte Mischung. Dies hat mir gefallen, weil wir in kurzer Zeit viele verschiedene Eindrücke erhielten. Stellenweise hätte ich mir jedoch eine Vertiefung einzelner Themen gewünscht, beispielsweise beim Fach Wirtschaft (vor allem, da das Stipendienprogramm den Titel „A New Passage to India – Indien: Land und Wirtschaft“ trug). Als unverzichtbar habe ich die Field Trips – beispielsweise ein Besuch in einem Gefängnis, bei Gericht, in einem Village sowie Firmenbesichtigungen und eine Führung durch das „alte“ Pune – empfunden, da diese Exkursionen sehr anschaulich gezeigt haben, wie heterogen Indien ist: Vom einfachen Leben einer Hausfrau in einem Village, über Straßenhändler bis hin zu internationalen Top Konzernen, die einen neuen Markt für sich entdecken, ist alles vertreten. Die rasanten (wirtschaftlichen) Entwicklungen waren – in einer Stadt wie Pune – nicht zu übersehen und in vielen Gesprächen konnte ich heraushören, welche Hoffnungen – ob nun persönlicher oder mehr genereller Art – aber auch welche Ängste die Menschen bewegen. Ich habe Pune auch als Stadt der Gegensätze erlebt – wer von Deccan nach Koregaon Park fährt oder abends vom Essen im Café „Good Luck“ auf der F.C. Road zum Tanzen ins „Stonewater“ geht, weiß was ich meine.

In Deutschland hatte ich vor und während meines Studiums bei verschiedenen Firmen gearbeitet und somit die Arbeitswelt kennengelernt. Auch wenn Volkswagen eine europäische Firma und sicher sehr organisiert ist, mahlten die Mühlen teilweise recht langsam und ich musste oftmals einen langen Atem haben, um Aufgaben und Projekte zum Abschluss zu bringen. Dies habe ich anstrengender als in Deutschland empfunden. Meine Geduld wurde ab und an etwas strapaziert, aber für mich war es gut, mich in Geduld zu üben und von meinen Kolleginnen und Kollegen wurde ich oftmals auf mein Organisations- und Zeitmanagement angesprochen, sodass beide Seiten etwas lernen und mitnehmen konnten. Da ich, bevor ich bei VW anfing, bereits zwei Monate in Indien gelebt und wir an der Uni ein interkulturelles Training hatte, konnte ich sicher manchem Fettnäpfchen auf der Arbeit aus dem Weg gehen und mein Verhalten und die Zusammenarbeit mit indischen Kolleginnen und Kollegen reflektieren. Sehr gut zusammengearbeitet habe ich vor allem mit einer Kollegin, mit der ich immer noch befreundet bin. Mit ein Grund war sicher, dass wir beide offen sind und aneinander sowie unserem unterschiedlichen kulturellen Background interessiert waren. Wir haben uns intensiv ausgetauscht – fachlich und persönlich. Wir haben viel über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Indien und Deutschland gesprochen und viel gemeinsam unternommen. Generell habe ich das Interesse an Ausländern – und somit auch an mir – immer als groß wahrgenommen: sei es auf der Straße, auf dem Markt oder auf Reisen im Zug. Meist sind es die gleichen Fragen, die einem gestellt werden (Was machst Du hier? Woher kommst Du? Wie schmeckt Dir das Essen? Ist es nicht zu scharf? Wie kommst Du mit den Temperaturen klar?) und die Menschen sind mir grundsätzlich freundlich und offen begegnet. Und in keinem anderen Land haben fremde Menschen, die ich eben erst kennengelernt hatte, im Zug ihr Essen mit mir geteilt.